A Way Out

By on on Reviews, 6 More

A Way Out Review

Treffen sich zwei Typen auf dem Weg in den Knast, starten den Ausbruch, lernen sich besser kennen und entdecken, dass sie gemeinsame Feinde haben.

So beginnt das Koop-Action-Adventure A Way Out. Hinter dieser auf den ersten Blick einfachen Story steckt ein durchdachtes Zweispieler-Abenteuer mit überraschender Wende, das wesentlich mehr als nur Klischees zu bieten hat.

Wir haben es uns vor meinem PC gemütlich gemacht, ich mit Maus und Tastatur, mein Kumpel Tobi mit Controller. Eine Partie A Way Out vom Entwickler Hazelight Studios (dessen Developer vor allem bekannt sind für ihren Titel Brothers: A Tale of Two Sons von Starbreeze Studios) steht an, im lokalen Koop-Modus, nachdem ich die Woche zuvor das Spiel schon einmal online mit jemand anderem durchgezockt hatte. Diesmal tausche ich die Rolle und spiele Leo, den wilderen und mitunter zur gewalttätigen Lösungsfindung neigenden der beiden Knastbrüder-Protagonisten. Vincent, der für Steuerhinterziehung und Mord für 14 Jahre ins Gefängnis wanderte, ist der gemäßigtere von uns, der eher deeskalierend vorgeht. Vincent und Leo sind ein ungleiches Paar mit nachvollziehbaren Motivationen in diesem Aus-dem-Gefängnis-Ausbrechen-und-Rache-Üben-Szenario.

Couch-Koop oder online zu zweit

A Way Out ist ausschließlich für zwei Spieler konzipiert und kann nicht alleine gespielt werden. Dafür wird jedoch nur eine Kopie des Spiels benötigt, der Mitspieler kann sich das Spiel via Freund-Pass installieren und ins Spiel einsteigen.

A Way Out Leo und Vincent lernen sich kennen

Gemeinsame Feinde verbinden?

Action-Adventures im Filmstil mit Quicktime-Events und Entscheidungen, die Konsequenzen für den weiteren Verlauf der Story haben gibt es bereits viele gute. A Way Out hat alle diese Eigenschaften und doch ist es bei Weitem nicht mit einem Walking Simulator oder gar interaktiven Film vergleichbar. Die Story beginnt relativ klischeehaft, ist aber an sich solide geschrieben. Unsere beiden Antihelden gewinnen im Verlauf des Spiels an Tiefe, so dass wir nicht nur mit unserem eigenen Spielcharakter eine Bindung aufbauen, sondern auch zu seinem Kumpanen. Hier wechseln sich emotionale Momente mit leichtherzigen Szenen wie als wir uns verzweifelt am Speerfischen versuchen (nicht mein glänzendster Gameplay-Moment).

Wer streitet hier eigentlich mit wem?

Während der Spielrunde zu zweit hatte ich das Gefühl, ich lerne nicht nur mehr über die Story und den Hintergrund der beiden sehr unterschiedlichen Protagonisten, sondern ich lerne auch meinen Mitspieler anhand seiner Reaktionen und Entscheidungen besser kennen. Interessanterweise animiert das Spiel hierbei dazu, sich eher in meinen Protagonisten hineinzuversetzen und Entscheidungen so zu treffen, dass sie zu ihm passen, als dass ich nach meinen eigenen Moralvorstellungen handeln würde. Ich möchte entsprechend Leos oder Vincents Hintergrund handeln, rollenspiele also mehr oder minder bewusst. Die Koop-Elemente schaffen ein Gefühl von Gemeinsamkeit, schon bei so simplen Mechaniken wie dem gleichzeitigen Drücken einer Taste, um eine Tür gemeinsam aufzustoßen. Oder sie bieten Anlass zu lauter Debatte, wenn wir im Rhythmus abwechselnd mit perfektem Timing Rücken an Rücken einen Lüftungsschacht hinaufklettern müssen, mit der drohenden Gefahr des meterweiten Absturzes, sollte einer nur einmal seinen Tastendruck versäumen. Umso größer ist das gemeinsame Erfolgserlebnis, wenn die Aufgabe geschafft ist.

Der Weg nach oben lässt sich nur gemeinsam „beschreiten“.

Das Spielgefühl ist sehr vielfältig, es wechseln sich filmreife Zwischensequenzen mit Quicktime Events oder auch gleichzeitigem Gameplay beider Protagonisten auf einem geteilten Bildschirm ab. Hierbei gibt es oft einen fliegenden Wechsel zwischen Gameplay und Zwischensequenzen, in denen sich der sich Schlüsselmomente und -konversationen in den Vordergrund drängen, und der jeweilige Charakter zeitweise den gesamten Bildschirm übernimmt.

Von allem ein bisschen

Im Verlauf des Spiels merkt man, dass die Entwickler immer mehr mit verschiedenen Genre-Stilen spielen. In der Eingewöhnungsphase bereiten wir noch in Schleichspiel-Manier unseren Ausbruch vor, indem wir primär Wachen im Gefängnis ausweichen und unbemerkt Gegenstände durch Kontrollen schmuggeln. Dann kommen wir unter anderem in den Genuss actionreicher Verfolgungsjagden, in denen die Perspektive rasend schnell zwischen Leo und Vincent hin und her wechselt. Im späteren Spielverlauf begegnen uns immer wieder Szenen mit komplett anderen Kameraperspektiven und überraschenden Mechaniken. Ob wir nun Gegner im Stile eines seitlich scrollenden Fighting-Games umboxen, einen Flüchtigen aus isometrischer Vogelperspektive jagen oder wilde Fahrsequenzen mit Auto, Boot oder Motorrad meistern müssen. Hierbei wird aber nie so weit gegangen, dass die Steuerung hakelig wird oder dass diese spielerische Hommage an andere Titel das eigentliche Spielerlebnis negativ beeinflussen würde. Einzig die “Shooter-Sequenz”, wo Leo und Vincent jede Menge üble Typen aus dem Weg räumen müssen, hätte etwas kürzer sein können.

Richtige Naturburschen.

Zusätzlich dazu ist A Way Out mit zahlreichen Minispielen gespickt, die für den Verlauf der Story zwar keine Relevanz haben, jedoch für einige Lacher mit meinem Mitspieler sorgten. Wer hätte gedacht, dass ich so grottenschlecht in Vier Gewinnt bin oder ein Talent zum virtuellen Rollstuhl-Balancieren habe? (Von meinen zweifelhaften Leistungen im Speerfischen haben wir ja schon gesprochen). Ist die Story die meiste Zeit relativ geradlinig, bis zu dem Punkt, wo man meint, den weiteren Verlauf hervorsehen zu können, so bieten sich besonders im Krankenhaus viele Möglichkeiten – ob nun mit Dialogen oder Minispiel-Blödeleien – die Bindung zu Leo und Vincent zu vertiefen und die ernste Hauptstory aufzulockern. Diese Bindung spielt besonders im letzten Viertel des Spiels, nach einer Plot Wende, die mich komplett aus dem Nichts erwischt hat, eine tragende Rolle.

Technisch OK, nicht einwandfrei

Technisch ist an The Way Out zu bemängeln, dass es bis heute, knapp ein Monat nach Release, immer noch technische Probleme mit NVIDIA-Karten gibt. Ich konnte das Spiel nur im Fenstermodus starten, um einen grün flimmernden Bildschirm zu vermeiden, der den Titel unspielbar macht. Das Gameplay mit Maus und Tastatur ist nur beim Steuern von Fahrzeugen und beim Herausdrehen von Schrauben (bitte tippe WASD im Kreis) hakelig – hier lohnt es, auch am PC einen Controller zur Hand zu haben. Beim Schleichen kann einen die Umsetzung zum Teil auf den Nerv gehen, so ist es zum Teil äußerst schwierig, sich beim Ducken von Wänden wieder zu lösen.

Mit dem Motorrad ab durchs Dickicht, aber lieber mit Controller.

Wenn wir eine Waffe zur Hand nehmen müssen ist die Handhabung per Controller, wie oft bei Shooter-Elementen, schwerfällig. Am PC ist der Wechsel jedoch jederzeit on the fly möglich.

Fazit

A Way Out ist ein wunderbares Couch-Koop Spiel, das für ca. 6 Stunden leider etwas kurz für gute Unterhaltung sorgt. Es ist interessant, wie im Laufe des Spiels immer mehr ersichtlich wird, dass nicht wir Vincent und Leo steuern, sondern sie uns. Zum Ende hin haben wir uns so sehr mit den beiden identifiziert, dass das Finale vom Spiel uns tief bewegt und einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat. Während unsere Entscheidungen im Spiel eher die Tonart als den weiteren Spielverlauf beeinflussen,  bietet A Way Out uns doch das Gefühl, am Schicksal unserer Protagonisten aktiv teilzuhaben. Dass sich das Spiel nicht alleine spielen lässt, ist in Hinblick auf den Inhalt nachvollziehbar, diese “Einschränkung” ist das Gegenteil von unzähligen Titeln mit Pseudo-Koop-Funktion (niemand erinnert sich mehr an Knack, oder?). Von uns gibt es eine Empfehlung! Schnappt euch euren Kumpel und legt los.


Wir bedanken uns beim Publisher für die Bereitstellung eines Testmusters. Bitte beachtet auch unsere Wertungs-Richtlinien, an denen wir uns orientieren.

Wer uns unterstützen möchte, kann über unseren Amazon-Partnerlink oder direkt über folgende Auswahl einkaufen. Der Preis bleibt unverändert; uns kommt jedoch ein kleiner Betrag zugute, über den wir uns natürlich freuen würden :)

The Good

  • Zu zweit mit nur einer Spielkopie spielbar
  • Atmosphärisch, holt emotional ab
  • Spannend umgesetztes Koop-Gameplay

The Bad

  • Grafikbug am PC mit NVIDIA-Karten, derzeit nur mit Workaround spielbar
  • Leider mit lediglich 6 Stunden Spielzeit relativ kurz
  • Gezwungene Entscheidungen zum Ende hin
8

Written by: Ronja Antesberger

Social Bumblebee Seit ich mir einen eigenen PC leisten konnte, bin ich den Pixeln verfallen, und blicke auf eine lange Karriere als bürgermeisternde Schneiderin in Ultima Online, täglich raidende Assassine in EverQuest 2 und alles-und-jede-Quest-abschließender Geralt in allen Witcher Spielen zurück. Meine Liebe gilt den Strategiespielen der späten 90er, wie Age of Empires und Command & Conquer sowie jeglicher Variante an Rollenspiel. Mein Faible für Indies und Selbstdarstellung hat mich vor einigen Jahren zum Streaming und zu YouTube gebracht, und in Konsequenz auch endlich beruflich in den Bereich. Nach über einem Jahr bei der Wiener Video Game Livestreaming Plattform Hitbox konzentriere ich mich nun auf meinen selbstständigen Pfad als Social Media Marketing und PR Beraterin, Bloggerin und SchreiberlingIn for „All Things Video Games“. Ich freue mich, als Neuzugang beim Continue-Magazin dabei zu sein, wir hören uns im nächsten Podcast! Bei Fragen, Anregungen und Feedback: antesberger@continue-magazin.at oder einfach auf Twitter.

No comments yet.

Leave Your Reply