A Hole New World

By on on Reviews, 5 More

A Hole New World Review

A Hole New World präsentiert ein interessantes Konzept im Retro-Gewand.

Viele Indie-Entwickler bedienen sich gerne an nostalgischen Retro-Elementen, mit denen man Spielern der älteren Generation das eigene Werk schmackhaft machen möchte. So auch das Kickstarter-Projekt von Mad Gear Games: A Hole New World.

„Ein irrwitziges 2D Arcade-Spiel mit NES-Ästhetik und der Spielbarkeit von heute. Das Spiel bietet sofortigen Einstieg, sofortige Action und sofortigen Spaß!“, so zu lesen auf der oben verlinken Website. Nun, nachdem das Spiel fertig gestellt und für PC, Xbox One und PlayStation 4 im Store zu finden ist, stellt sich nur noch die Frage, ob es diese Versprechen auch halten konnte.

Ihr übernehmt die Rolle des Potion Masters, welcher mit seinem roten Umhang Jagd auf Lord Baduk, dem Anführer alles Bösen, macht. Grund dafür ist, dass das Übel in eurer Welt Überhand nimmt. Einst von der allmächtigen Göttin in zwei Hälften geteilt, ist das Land gespalten: eine gute und eine auf den Kopf gestellte böse Seite. Doch die Grenzen sind nicht mehr. Das Böse hat einen Weg in die neue Welt gefunden und steht kurz davor, alles zu vernichten.

Ihr werdet von Fäy, der Fee begleitet, welche nicht nur eine subtile Anspielung auf Ocarina of Time darstellen sollte. Sie belebt euch wieder, solltet ihr sterben und kann auch aufgeladene Attacken abfeuern, welche ziemlich guten Schaden austeilen. Apropos Attacken: frei nach Simon Belmont schmeißt ihr eure Tränke auf Gegner, um diese wieder dorthin zurückzuschicken, woher sie auch kommen. Schwerter oder andere Waffen versucht man vergebens, aber euer Repertoire an Fähigkeiten erweitert sich mit jedem gewonnenen Bosskampf, sodass ihr am Ende nicht nur vier verschiedene Attacken abfeuern, sondern auch schnell über den Boden sliden und sogar zweimal springen und kurz in der Luft schweben könnt.

Der Clou an der ganzen Sache ist, dass ihr stets zwischen der guten und bösen Seite wechseln könnt und teilweise auch müsst. Fallt ihr in einen Abgrund, sterbt ihr nicht, sondern wechselt nahtlos auf die böse Seite, welche – wie erwähnt – auf den Kopf gestellt ist. Demnach lässt euch die Gravitation auch auf die Oberseite eures Bildschirms fallen und sämtliche Eingaben müssen mit Bedacht gewählt werden. Aber nach kurzer Zeit hat man sich daran gewöhnt und kommt recht zügig und ohne Kopfschmerzen an Ziel der insgesamt fünf Level.

Dabei variieren die einzelnen Level vom Setting her sehr breit gefächert. So bahnt ihr euch euren Weg durch eine farbenfrohe, bewachsene Landschaft; eine düstere, mit Insekten versuchte Finsternis; eine mit Lava und Eis gespickte Höhle und dem blutigen Pfad Gottes bis hin zum Schloss von Lord Baduk persönlich. Die Endbosse jedes Abschnittes sind durchaus sehenswert und fordern euer Geschick. Aber wie bereits in der Beschreibung zum Spiel angekündigt, wird es dennoch kein leichtes Unterfangen sein. Der Schwierigkeitsgrad ist knallhart und lässt keinen Spielraum für Fehler, wo wir auch zum größten Problem des Spiels kommen.

Das Problem sind nicht die Boss-Gegner, sondern das Balancing im Allgemeinen. Schier endlos viele Gegner in ein Level zu schmeißen, ohne sich dabei wirklich etwas zu überlegen ist schlichtweg nicht gut. So kommt es nicht selten vor, dass ihr von gewaltigen Horden an Gegnern überrannt werdet. Manchmal passiert es aber auch, dass euch riesige Würmer verfolgen, ihr den Weg nach oben sucht, welcher auf der bösen Seite natürlich auf den Kopf gestellt ist, die Plattformen über bzw. unter euch mit gefährlichen Wachen ausgestattet sind und zu allem Überdruss auch noch Stacheln aus dem Boden fahren, sobald ihr darauf landet. Balancing ist ein Fremdwort für die Entwickler gewesen, wodurch ihr Versprechen, dass es ein irrwitziger Spaß wird, definitiv nicht zur Geltung kommt. Es ist frustrierend, wenn man das Level immer und immer wieder von vorne starten muss, bis man den nächsten Checkpoint erreicht. Immerhin: Gegner, die einmal besiegt wurden, bleiben das auch. Langsam ernährt sich das Eichhörnchen. Gutes Gameplay ist jedoch was anderes.

Fazit

A Hole New World ist eine schwierige Geburt. Es kann definitiv mit seinem Retro-Charme punkten. Die Grafik ist sehr detailliert, die Steuerung ist tadellos und auch der Soundtrack lässt jedes Retro-Herz höher schlagen. Wer möchte, kann das Spiel auch mit CRT-Filter spielen, um noch eine weitere Portion an Nostalgie hinzuzufügen. Doch das Gameplay an sich ist eben nichts für schwache Nerven und Ungeduldige. Jeder, der genug Zeit und Muse hat, sich durch teils unfair gestaltete Level zu kämpfen, sei gerne dazu eingeladen. Für meinen Geschmack gibt es jedoch andere Retro-inspirierte Spiele, die weitaus fairer, aber dennoch knackig im Schwierigkeitsgrad sind. Daher hab ich den Endgegner dann nach dem 50. Versuch auch links liegen gelassen. Die Zeit war es mir dann einfach nicht mehr wert.

Wir bedanken uns bei Mad Gear Games für die Bereitstellung eines Testmusters.

The Good

  • Stimmiges Retro-Feeling
  • Abwechslungsreiche Level

The Bad

  • Unausgeglichener Schwierigkeitsgrad
  • Level-Design und Gegnerscharen
  • Massive Framerate-Einbrüche
7

Written by: Michael Pölzl

Geschichten-aus-dem-Leben-Erzähler Wenn mein Handy läutet, lese ich zumeist Namen am Display, die mir schlaflose Nächte bereiten werden. Dieses Mal war es aber gar nicht mal so schlimm, denn es ging um ein Projekt, an dem viel Nostalgie hängt und zugleich ein Thema behandelt, welches genau meinen Nerv trifft: Videospiele! Meine Laufbahn in der Branche hat nun doch schon einige Jahre am Rücken und auch diesmal konnte ich nicht "Nein" sagen. Das Extraleben musste abermals eingeworfen werden und Continue wurde endlich Realität. Aber was mache ich hier eigentlich? Nunja, ich werde mein Auge auf alle technischen Dinge hier werfen und wohl auch das ein oder andere Mal über meine Geschichten aus dem Videospielleben erzählen. Und davon habe ich viele auf Lager, stay tuned! Ach und Leserpost ist natürlich immer willkommen: poelzl@continue-magazin.at