7 Jahre warten – Noel Gallagher in Wien

Wenn ich jemanden frage, ob er eine Lieblingsband hat, dann erwarte ich eine Antwort. Hat er die nicht, dann hoffe ich, dass er/sie lügt. Eine Lieblingsband zu haben ist wichtig – meine war … ist Oasis. Ein wichtiger Teil der Band war diese Woche in Wien. Es wurde zum Oasis-Konzert, dass ich als Teenager nie hatte.

Oasis heißt heute „Noel Gallager’s High Flying Birds“ und wurde 2010 gegründet. Neben Noel finden sich das ehemalige Oasis-Mitglied Mike Rowe, der Drummer Jeremy Stacey (The Lemon Trees), Bassist Russell Pritchard und Gitarrist Tim Smith in der Band. Die einzigartige Stimme von Liam fehlt. Stattdessen trällert sein Bruder Texte von damals und heute – zerschellt aber ab und zu daran, den Texten die Kraft von damals zu geben. Es hatte schon einen Grund, warum Oasis beide Brüder brauchte, um die „Best band in the world“ zu werden. Aber das spielt heute keine Rolle. 2009 war Oasis das letzte Mal in Wien. Genau zu der Zeit, als die Band sich gerade in Auflösung befand – Stop!

Zeitsprung: 2009 war Oasis in Wien. Laut Youtube und diversen Aussagen, waren beide Brüder anwesend. Ich aber habe Erinnerungen an ein 45 Minuten Konzert – zwar mit Liam, seiner Stimme, aber sehr wenig Liebe – und keinem Noel Gallagher. Vielleicht kann ein Leser diese Verwirrung irgendwann auflösen – gab es 2008 oder 2010 vielleicht noch einen Gig? Dreh ich durch? Wie auch immer. In meinem Herzen trug ich diese Enttäuschung, mit der ich 7 Jahre leben musste. Bis zum Konzert der High Flying Birds diese Woche.

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Das gemischte Publikum im Wiener Gasometer, irgendwo zwischen den Hauptdarstellern aus „Making a Murderer“ und (männlichen) Langzeitstudenten, füllten die 3.000 Köpfe fassende Lokalität und verbreiteten gute Stimmung. Von der Vorband „The Augustines“ hatte ich nie zuvor gehört, die Crowd wurde aber 30 Minuten mit sanftem und manchmal etwas lauterem Pop-Rock gut unterhalten. Danach kam der Main-Act auf die Bühne. Ein Best-of der beiden Alben wurde auf das Publikum losgelassen, ohne sich viel mit Interaktion aufzuhalten. Drei- oder vier Mal nuschelte Noel zwischen den Nummern etwas zu den euphorischen Fans, ansonsten konzentrierte er sich auf das Abspielen des Programms. „Er ist kein Frontman,“ hat er immer wieder in Interviews betont. Finde ich immer schade, wenn eine Band den „Live“-Faktor so wenig nutzt, aber als die erste Oasis-Nummer angestimmt wurde, fühlte ich mich wieder wie mein 16-jähriges Ich. Das Ich, das mit den Texthefterln (ja, sowas gab es) die CDs rauf und runter gehört hat, sich dabei gut und manchmal auch ein bisserl schlecht gefühlt hat. Songtexte so lange mitgegröhlt hat, bis auch das letzte Wort in schlecht ausgesprochenem Englisch über meine Lippen flog. Champagne Supernova, Cigarettes & Alcohol oder Stand by me. Drei der insgesamt sieben Alben waren einfach wirklich gut. Wirklich gut.

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So war das Konzert am Ende eine tolle Versöhnung für mein persönliches und gefühltes Debakel 2009. Zählt man beide Konzerte zusammen, habe ich Oasis tatsächlich einmal ganz in Wien erlebt (Anm.: Ich bin noch immer von meiner Theorie überzeugt). Gerüchte um eine Wiedervereinigung gibt es ja auch. Ich kann ja hoffen. Die eigene Lieblingsband auf der Bühne zu erleben, gemeinsam mit Tausenden anderen die Songs zu singen – das sollte jeder einmal erlebt haben. Ich spreche seit Kurzem aus Erfahrung.

Written by: Alexander Amon

Motivator Ich bin seit ca. 12 Jahren redaktionell mit Videospielen verbunden und war zuletzt Chefredakteur des Fachmagazins für Computer- und Videospiele consol.AT und ihren deutsch-schweizerischen Ableger consolPLUS. Aktuell bin ich PR Manager beim Spieleentwickler Sproing, gebe auf dieser Website allerdings nur meinen privaten Senf zur allgemeinen Situation ab. CONTINUE betreue ich redaktionell und emotional, diene in vielen Punkten als Ansprechpartner und Koordinator. Bei Fragen und/oder Anmerkungen schreiben Sie mir doch einfach an amon@continue-magazin.at. Besten Dank und bis bald.